love ends

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17. Januar 2018 BAD BLACK UNICORN / Bibi
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Nach langer Zeit - genauer gesagt, 6 Jahre nach Ihrem letzten Album gibt es endlich wieder ein Lebenszeichen in Form eines neuen Albums der sympathischen Band rund um Florian Schäfer. Mit „Love Ends“ bringen die Männer Ihr nun fünftes Album auf den Markt.

Schon mit dem Opener der Scheibe „At The End“ greifen die Düsseldorfer in die vollen, der etwas abgefahrene Sound wird von der gewollt düsteren Atmosphäre dominiert, und es knackt und rauscht im Getriebe, passend zu dem Titel. Man fühlt sich tatsächlich am Ende aller Dinge angekommen, klasse Inszenierung!

„Sense of Despair“ ist genauso duster gehalten, doch auf eine andere Art, denn die Störgeräusche vom Vorgängersong fehlen komplett, dafür darf man der bezaubernden Stimme von Florian lauschen. In diesem Song kommt der Dark Electro richtig schön zur Geltung, und auch ein wenig Retro fehlt nicht. Ein wunderbares Stück, das die Massen auf die Tanzflächen locken dürfte. Zudem hat dieser Song unglaubliches Dauerschleifenpotential.

„Kaltland“ überrascht mit einem deutschen Text, und die Jungs beweisen mit diesem Stück, dass sie auch in Ihrer Muttersprache absolut geil klingen. Dieser Song ist etwas ruhiger, und das steht dem Stück mit der dazugehörenden Lyrik wunderbar.

Grundsätzlich kann man sagen, dass NOYCE™ mit Love Ends ein wunderbares, gesellschaftskritisches Album herausgebracht haben, in dem alles stimmig ist. Es ist düster, es ist bedrohlich, und doch voller Hoffnung – wie eben die Welt 2017 / 2018 von vielen gesehen wird. Neben Tanzflächenknallern, sind auch einige Electrohymnen unter den 12 Stücken, und jeder einzelne Song ist es mehr als wert, in die Welt hinaus getragen zu werden!


6. Januar 2018 BODYSTYLER / Torsten Pape
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ImInterviewgibt sich Sänger Florian Schäfer bescheiden, indem er meint, dass seine Band NOYCE™ aufgrund der langen Pausen zwischen den Alben immer wieder in den Newcomer-Status zurückfällt. Das kann man jedoch nicht so stehen lassen und der Erfolg des aktuellen Werkes, das bereits kurz nach Erscheinen in diversen Verkaufs- und Hörercharts auftaucht, spricht ebenfalls eine andere Sprache.

Das Langzeitgedächtnis der Fans funktioniert also prächtig und auch im Zeitalter der kurzen Aufmerksamkeitsspannen gibt es anscheinend immer noch die Fähigkeit, auf gute Musik auch gern mal ein bisschen länger zu warten. Die investierte Geduld zahlt sich im Falle von "Love ends" jedenfalls voll aus und man ist - zusätzlich angeregt durch das tolle, in Schwarz, Weiß und Bronze gehaltene Artwork - gespannt auf die neuen Kompositionen.

Diese pirschen sich dann auch sogleich an, und eine Computerstimme begrüßt den Hörer im Opener "...At the end" auf eine gänsehauterzeugende Art und Weise. Danach ertönen die ersten, kraftvollen und doch wavig-samtigen Synthie-Klänge von "Sense of despair" und ziehen vollends ins NOYCE™-Universum hinein. Allein die wunderbare Melodieführung und der dramatische Aufbau lassen keinen Widerstand zu. Kälte trifft auf Wärme, Innehalten auf Bewegung und der erste Ohrwurm des Albums ist geboren.

Nun folgt ein weiterer Song in der langen Bandgeschichte, der sich mit (welt-)politischen Themen auseinandersetzt und auf poetische Weise nähert man sich der Situation, eine "Heimat" verlassen zu müssen. Wie von der Band gewohnt, verliert man sich jedoch nie in absoluter Traurigkeit, denn es blitzen immer wieder Hoffnungsschimmer auf.

Auf einer ähnlichen Welle bewegt sich auch die eher getragene Reise zur "Brave new world", die zudem durch den prägnanten Gesang im Refrain zu beeindrucken weiß. Lässt einen der abschließende Satz "When everything is quiet, I close your eyes" fast schon erstarren, wird man im Anschluss vom beschwingten Song "Propaganda", in dem einmal mehr aufstrebende Melodien auf ernsthafte Thematik treffen, mitgerissen.

Nun ist es wieder Zeit für einen deutschen Text, der sich sehr direkt gegen den Hass wendet, welcher sich im Schutz der Netzanonymität immer mehr ausbreitet. "Kaltland" bietet all den Kleingeistern dieser Welt die Stirn und bezieht eindeutig Position. Mit "Fall[out]" folgt nun die bereits vor zwei Jahren erschienene (Hit-)Single, die allein durch ihren hymnischen Refrain nicht unwesentlich zur Neugier auf das Albums beigetragen haben dürfte.

Dieses besitzt zweifellos neben einer Unmenge berührender Momente ebenso eine überragende Dramaturgie, wovon auch der kühle, mit traurigen Datumsangaben gespickte Track "Die Ungeliebten" zeugt. Hier erwartet den Hörer ein erneutes Innehalten, welchem das tiefsinnige "Mensch[en]" (ein modernisiertes Stück aus älteren Tagen) zur Seite gestellt wurde.

Ähnlich gehalt- wie gefühlvoll erstrahlt das gedankenspielerische "Zertrennlich" bevor in "The world is quiet" die mutigste Gesangsleistung des Albums gegen eine schier übermächtige Stille anschreit. Der teils krachige, teils elegisch-geschmeidige Titelsong mit seinen berührenden, letzten Zeilen beschließt dieses klang- und wortgewaltige Werk, das mit jeder Faser des Körpers erlebt werden muss.

Interview Bodystyler 01/18

7. Januar 2018 SIDE-LINE / Stephane FroidcoeurFlag GB
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Background/Info: Düsseldorf (Germany) based formation Noyce™ is not releasing new albums on regular basis although the band driven by Florian Schäfer remains pretty ‘hot’ especially in their homeland. They now finally strike back with “Love Ends” revealing twelve songs. Among the tracklist you’ll recognize previous EP-title songs “Fall[Out] and “Sense Of Despair”. Notice by the way John Fryer and Krischan Jan-Eric Wesenberg (Rotersand) mixed several tracks from this opus.

Content: Noyce™ took their time to accomplish this album, which is a great and mature composition. It’s not that easy to define the sound of the band, but they clearly mix different elements together, which in the end are always polished with a ‘pop’ touch. Guitar and electronics are in perfect balance, but you also will notice violin playing injecting a more sensitive and melancholic flavor.

+ + + : The songs have been masterly accomplished and I think we here can speak about the ‘opus magnum’ of the band. The work is blending delicious melancholic atmospheres with elevating choruses. The tracks have been meticulously and progressively built up, which often resulted in a truly climax. “The World Is Quiet” and “Love Ends” are the perfect apotheosis for this album. Somewhere in between beautiful melancholia and harder, pumping passages (cf. “Fall[Out]”) the work also reveals symphonic arrangements and even a cool experimental cut (cf. “Die Ungeliebten”). The songs are diversified and that’s an essential element you also will notice in the vocals’ production. Florian Schäfer sings in German and English language accentuating this diversity. Last, but not least I also have to mention the great artwork of the digipak format.

- - - : “Love Ends” definitely is one of 2017 major albums so I don’t really see minus points.

Conclusion: Noyce™ has released the ‘perfect’ album, which can’t be compared to any other formation, but strives for an original sound with strong lyrical themes.


8. November 2017 UNTER-TON / Daniel Dressler
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NOYCE™ - "LOVE ENDS": GROSSE HUMANISTEN

Unter fulminanten Bläsern haben die Beatles einst "All you need is love" propagiert. Noyce™ drehen diesen Spieß jetzt um: "At the end when love ends, is the moment when life ends", beginnt das vierte Album des Düsseldorfer Vierergespanns unter zersetzter Elektronik, donnerndem Schlagwerk und synthetischen Streichern. Die von einer weiblichen Roboterstimme (sie wird im Laufe des Albums öfters noch zu hören sein) vorgetragenen Zeilen provozieren ein postnukleares Gefühl des Unbehagens. Es klingt wie die ernüchternde Folgerung des einstigen Banner der 68er-Generation. Alles was du zum Leben brauchst, ist Liebe. Wenn diese aber endet, endet auch das Leben.

Aber wir leben alle noch. Manche sind jedoch nachgerade verdammt dazu. Und sehen sich wie in "Heimat" einer ungewissen Zukunft, fern von ihrem einstigen Zuhause, ausgeliefert. Selbst die anschmiegsamen Sequenzen nehmen nur wenig Bitterkeit aus diesem Stück, das in Zeiten der globalen Flüchtlingsströme nicht nach Obergrenzen oder Verteilung der Gestrandeten auf die einzelnen Länder fragt. Es geht nicht um Flucht, sondern um Vertreibung. Das ist ein feiner Unterschied, den der Song aufzeigt. Denn die beiden Protagonisten darin blicken auf ihre Wurzeln zurück, "auf das, was einmal Heimat war" und werden sich bewusst: "Die heile Welt wird Nostalgie". Der Blickwinkel des Flüchtlings und seinen Gefühlen wird in den hitzigen Debatten oftmals außer Acht gelassen. Noyce™ verleihen ihm eine Stimme.

Wo zu wenig Heimat auf der einen Seite, da scheinbar zu viel auf der anderen. "Kaltland" reflektiert das verschwurbelte neue deutsche Nationalgefühl angesichts vermeintlich drohender Überfremdung. Auch hier vermeidet es das Ensemble, allgemeines AfD-Wähler-Bashing zu betreiben. Vielmehr seziert es diese neue Gesellschaftsschicht, die in den Internetforen und sozialen Medien ihre eigenen Wahrheiten verbreitet, die "Lügenpresse" verurteilt und auf den Pegida-Demonstrationen lauthals "Wir sind das Volk!" brüllt. "Verstehst Du nicht, dass die Parole einst für den Wunsch nach Freiheit stand?", fragt Florian und hofft dabei auf Einsicht.

Der Mensch steht im Vordergrund bei "Love Ends", stärker als je zuvor in der Bandgeschichte. Konsequenterweise haben sich Noyce™ dazu entschlossen, ihren Song "Mensch" aus ihrem Album "Coma" neu einzuspielen. "Mensch[en]" verweist einmal mehr auf die Fehler unserer Spezies, aber auch unseren Möglichkeiten, es in Zukunft besser zu machen. Das getragene Soundbett dazu verstärkt die Intensität des Schäfer'schen Wortes, das viel mehr gehört werden müsste. Im Gegensatz zur ersten Fassung wirkt das Stück nachdenklicher, introvertierter, wie ein Epilog auf die einstigen mahnenden Worte. Viel Zeit ist zwischen "Mensch" und "Mensch[en]" vergangen - gespickt mit traurigen Ereignissen.

Florian und seine geräuschvollen Kollegen zeigen sich als große Humanisten, die mit Sorge betrachten, was auf unserem Planeten vor sich geht. "Das Unglück der Welt geht von den Ungeliebten aus" verkündet die Roboterstimme einmal mehr in seltsam distanzierten Timbre in "Die Ungeliebten". Zuvor nennt sie verschiedene Jahrestage. Es sind jene, an denen sich terroristische Akte ereignet haben. "22.03.16" (Anschläge in Brüssel, 35 Menschen sterben), "23.10.02" (Geiselnahme im Moskauer Dubrowka-Theater mit 130 Toten), "11.03.09" (Amoklauf eines Schülers in der Albertville-Realschule in Winnenden, 15 Tote) und so weiter. Wie ein Koordinaten-Netzwerk des Schreckens breiten sich die Zahlen im Song aus; am Ende prangt das große "11.09.01" als immer noch präsentes Datum, das die Welt für immer verändern sollte.

"Love Ends" will bei aller Sicht auf die Schlechtigkeit der Welt vor allem eines: Liebe verbreiten. Auch wenn der Titel vordergründig das Gegenteil vermuten lässt. Die Band wendet sich mit ihren zwölf Songs an jeden fühlenden Hörer und ermutigt ihn dazu, selbst etwas beizutragen, um Hass und soziale Isolation einzudämmen. "Raise up your voice against the violence, create a better place" fordert Florian eindringlich in "Brave New World". Seine hoffnungsvollen Gedanken unterlegt er mit mollschwangeren Synthie-Klängen, die gleichzeitig zur Eile drängen. Viel Zeit bleibt nicht mehr, um die Welt zum Guten zu wenden. Denn was passiert, wenn man nicht die Stimme erhebt, lässt sich bei "The World Is Quiet" ableiten. "You feel the silence grow. Result of human error in the end".

Zum Schluss hat noch einmal die Roboterfrau das Wort. Der Sänger wendet sich zu ihr mit der Frage "Ist dies nun das Ende?". Ihre Replik: "Die Liebe endet...aber die Hoffnung bleibt." Die Ambivalenz aus dem zuversichtlichen Text, die von einer seelenlosen Maschine gesprochen wird, verdeutlicht noch einmal, wie sehr der Mensch sich von der Technik abhängig gemacht hat und auch sein Wohl und Wehe in einen unbeirrbaren Fortschrittsglauben steckt.

Dabei sollten wir unser Herz nicht den Smartphones oder Tablets, sondern den Menschen um uns herum, egal welcher Herkunft, schenken und ihnen mit Liebe entgegentreten. "Love Ends" will genau dies erreichen und versucht, die Welt ein Stück weit besser machen. Es braucht nicht viel für einen Anstupser: All you need is Noyce™.

Interview Unterton

29. November 2017 REFLECTIONS OF DARKNESS / Sebastian HuhnFlag GB
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To have a premise as is present with the newest aural achievement of German NOYCE TM on a visual backdrop of grey-ish abandonment at the edge of the sea immediately gives rise to thoughts as to how this new record might turn out in terms of tone and mood. Knowing the band’s previous works, though, makes me question if there isn’t more to it than meets the eye, something that goes a few levels deeper than you could grasp from a simple picture. Further elaborating on that, we might wanna stop calling it a premise but rather the starting point of us investigating what can happen when ‘Love Ends’, and how many situations this can ultimately result in. Before we start, though, there’s the mandatory introductory instrumental intro track which has some pretty impressing stuff going on as far as sound design is concerned while a cold machine voice monotonously repeats “At the end when love ends”. As simple as it is, it sets a disconcerting tone for what is to come once emotion is being stripped away completely.

Probably, in an ideal world, there would be someone for everyone. The perfect opposite to complement your strengths and even out your weaknesses. However, the stark reality of the matter is: It doesn’t happen that often and sometimes if it does, it is not meant to last for very long. If that state does last for too long and if loneliness becomes too much you start creating imaginary scenarios of how better things could be with a significant other, imagined or not, and gradually you start losing yourself in that world so you’re not going insane. That truly saddening construct is wrapped up in fairly elegant electronic pop that bears the unmistakable NOYCE TM hallmarks and gets done the difficult job of driving the message into your brain without you realizing at first.

Love of a different kind greets us with the German ’Heimat’. The love for one’s homeland, the country you’re born and raised in and now just imagine all that you know and love is torn away from you within a blink. Your life in ruins and part of your family dead, the only option left is to flee, probably enduring unsignifying circumstances to get to a better place, to maybe build a new life for what is left of your former self with all the odds that are piling up, and somewhere in the back of your mind there’s this question “Will I be welcome?... at all?” On the musical side of things, we get a spectrum, covering a range from melancholia to utmost resignation with a sense of despair, embedded into light industrial aspects gelled around an intense flow of melody and pop sensibilities. At this early stage of the album, this one hit me pretty hard in the guts and it goes to show that German language isn’t just for expressing kitsch and shallow notions.

A ‘Brave New World’, a brighter future for everyone. Or just brighter than what has come before. Is that something we can do or just an abstract concept, somebody is talking about on TV? Honestly, to many people it is something they’ve wanted for themselves but abandoned the idea a long time ago, because we’ve gotten used to living in our personal hell, accepted shit for what it is. We value our well-being so little that evening the thought of fighting for something that could help us get better is abandoned in a heartbeat. For me, this song represents the will to go up against odds that are not in your favour, to change something so fundamentally, it makes your world a better place little by little. Contrary to previous tracks, this one places heavy emphasis on building up atmosphere, utilizing minor pads, even classical elements are incorporated to recreate a very specific sonic picture that will have its desired impact on anyone who listens to the track long enough.

Next up we’re heading for a land that seems cold and distant and in which reality and facts are being abandoned for a digital dream world in which one can be whatever they want. These days, it probably means being a system critic believing nothing coming from any even remotely reliable news source. Facts are promptly disregarded as lies administered to the public to steer their eyes away from the truth. The truth, however, here is as subjective as my opinion about the weather. It is an illness that has been bred by a society that lesser and lesser wants to rely on facts, rather believing a bunch of nonsense somebody made up while walking in the park. As cold as the inner world if some people may be, as cold is the sound design permeating throughout this song. It’s is a bleak and forlorn ambience created amidst precise metallic beats. It seems to be a kind of aural reflection of what the lyrics are conveying.

‘Zertrennlich’, being inseparable, no matter what comes our way we can make it through it all. The very foundation of this being possible is unconditional trust, and once the trust is no longer there the person you geld most dear until now can become a stranger. You begin to question their very personality and wonder if you knew them at all and when the change that ultimately drew you apart happened. The feelings you have, once you’ve realized are so overwhelmingly powerful that I could hardly put them into appropriate words to describe them. NOYCE TM, however, found a way to form notes and subsequently sounds out of those feelings, resulting in a painfully honest presentation which belongs to the best this album has to offer. The album’s title track also is its final chapter. Every time I'm listening to ‘Love Ends’, I can literally see the ending of something beautiful in front of an otherwise picturesque scenery while the sun is setting and everything within this song and predominantly the melodic backdrop creates an elegiac mood that supports the creation of such vivid images. It is capturing the final act of something which has been a strong bond once, but the feelings are gone.

I guess I’ll leave the rest to your imagination, which has admittedly been triggered enough on the album as a whole but it is paramount that you keep it going until the very end. I’m not the type to repeat shallow promo slogans, though rarely there is truth in them. There is electronic pop music and there’s electronic pop music. The difference being that one is merely for consumption and to forget afterwards and the other is the thinking man’s electro pop. Yeah, I know that term has been coined in a different style but it fits in here just perfectly. This stuff just goes way below the surface and explore the hidden depths beyond it while keeping an omnipresent poppy vibe. That’s the kind of balancing act, NOYCE TM have yet again managed to pull off flawlessly and ‘Love Ends’ is proof that good things take their time.


16. Dezember 2017 MONKEYPRESS / Michael Gamon
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Neues von Noyce™ und das bedeutet in den letzten Jahren für mich auch immer einen der wenigen Gründe, mir mal wieder ein Electro-Pop Album anzuhören. Langweilen mich die meisten Genrevertreter zuletzt doch zusehends immer mehr, so ist das Projekt um Mastermind Florian Schäfer immer wieder ein heller Stern am sonst sich stets zunehmend verdunkelnden Electro-Pop-Himmel. Das war, nachdem es seit 2011 Veröffentlichungsseitig still geworden war, bei der Fall[Out]-EP 2015 der Fall und gilt jetzt auch ebenso für das erste Album seit mehr als 6 Jahren: Love Ends. Denn auch auf diesem wird einem wieder mal bewusst, dass man die Liebe eines Musikers zur Musik eben doch hören kann!

Ein schriller Ton kämpft sich beim ironischerweise …at the End getauften Eröffnungsintro den Weg in den Vordergrund, bevor er von düsterer Stimmung immer mehr abgelöst wird. Ein wirklich toller Start mit viel melancholischer Atmosphäre, die die Düsseldorfer auch in der Folgezeit durchaus weiter konservieren können, auch Dank der starken Leistung des für den Sound verantwortlichen Teams um Adrian Le Monde, John Fryer (Depeche Mode, NIN) und Rotersands Krischan Wesenberg.

Traditionell gelingt Noyce™ der Spagat aus schönen Melodien und vertrackter Electronic stets sehr gut. Musikalische Ähnlichkeiten zu Diary Of Dreams und Diorama (in den dunkleren Phasen) oder Melotron (bei ruhigeren Stücken) kommen einem in den Sinn, doch haben sich die Rheinländer durchaus ihre eigene Nische gesucht und in der fühlen sie sich spürbar wohl, was auch an der einfühlsamen, warmen Stimme von Sänger Florian liegt. Und klingt der eine oder andere Song zwar zunächst noch äußerst poppig, so gibt es auch bei diesen Songs bei mehrfachem Hören noch immer Neues zu entdecken, denn nicht jede Klangspielerei wird sogleich vom Ohr wahrgenommen und verarbeitet, vom Text ganz zu schweigen.

Der ständige Wechsel von englisch- und deutschsprachigen Songs ist ein weiteres Stilmittel der Klangtüftler und gerade bei den deutschen Texten gelingt es ihnen, sich dem bei vielen anderen Acts sonst recht schnell einschleichenden Kitsch zu entziehen und Lyrics zu erschaffen, die nicht peinlich klingen und zudem wie bei Heimat auch immer wieder eine starke Message besitzen. Noyce™ scheuen sich nicht auch Politisches in ihre Arbeit einfließen zu lassen und zeigen sich als gute Beobachter einer Gesellschaft, die immer mehr mit sich selbst beschäftigt ist, immer egoistischer zu werden scheint und der es immer mehr an dem berühmten Blick über den Tellerrand mangelt.

So stellt gerade das angesprochene Heimat einen wundervollen Gegenpol zum Populismus der Wutbürger dar, denn Noyce™ gehen die Flüchtlingsthematik mal von der anderen Seite an, hetzen nicht gegen die, die anderen angeblich ein Stück Heimat streitig machen wollen, sondern beleuchten vielmehr die Gefühlswelt derer, die ihre Heimat bereits durch Flucht verloren haben. Den besorgten Bürgern und den sie bestärkenden Social Media Mechanismen ist dafür Kaltland gewidmet und stellt ihnen verdienterweise kein gutes Zeugnis aus.

Die klare Note 1 erhält hingegen die bereits schon bekannte Vorabsingle Fall[Out], die auch nach zwei Jahren nichts von ihrer musikalischen Schönheit verloren hat, wohingegen es einem beim nachfolgenden Die Ungeliebten spürbar kalt den Rücken herunterläuft. „Das Unglück der Welt geht von den Ungeliebten aus“ ist die Quintessenz aus den hier düster aufgezählten Daten schlimmster Untaten, wie den Anschlägen von Paris, Amokläufen oder dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001. Es fehlt leider einfach oftmals an Menschlichkeit wie Mensch[en], eine Neuinterpretation des Klassikers Mensch, besonders deutlich macht.

Ganz am Ende steht mit Love Ends der Titeltrack und vordergründig die vollkommene Resignation, doch haben Noyce™ die Menschheit ganz sicher nicht aufgegeben, sondern malen ein erschütterndes Bild unserer Zeit in der Hoffnung, dass sich die Menschheit wieder auf jenen Antrieb verlegt, der seit jeher das Beste im Menschen heraufbeschworen hat: Liebe! Make Love Not War und wenn sich noch mehr Menschen so einfühlsam und reflektiert zeigen würden wie die Jungs von Noyce™, dann wäre dies sicher auch wieder machbar. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt oder wie Noyce™ es zum Schluss ausdrücken: „Die Liebe endet, aber die Hoffnung bleibt“!


15. November 2017 AVALOST / Roman Jasiek
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Bekanntlich will Weile haben, was ein gut Ding werden soll. Die Geschichte des jüngsten Albums von Noyce™️ zieht sich schon über ein paar Jahre. Bereits am letzten Juli-Tag des Jahres 2013 erschien bei Youtube das Video zu „Fall[Out]”. Die zugehörige Single jedoch, die erblickte erst im Januar 2015 das Licht der Musikshops dieser Welt. Weitere, knappe anderthalb Jahre später folgte ein weiterer Appetitanreger in Form von “The World Is Quiet”. Und nun ist es also endlich da, dieses mit großer Spannung erwartete neue Album “Love Ends”. In meinem Fazit zu “Fall[Out]” schrieb ich vor zwei, inzwischen fast drei Jahren:

Wenn der Rest des kommenden Konzeptalbums „Love Ends“ hält, was diese Single verspricht, dann steht uns dank NOYCE™ womöglich ein richtiger Knaller ins Haus. „Fall[Out]“ ist eine sehr gefällige Electropop-Nummer mit einem spannenden Twist im Refrain, deren Einzug in gängige düster- und alternativelektronische Charts ich schon förmlich vor mir sehe. Tanzen ließe es sich dazu auch gut. Tolle Beschallung für drinnen und draußen also. Vor allem aber begeistert dieser Song durch die mit jedem erneuten Hören zunehmende Sogwirkung. Daher sei folgender Warnhinweis angebracht: Immer wenn ich denke „so, reicht jetzt erstma“ kommt gleich anschließend ein „ach komm, einmal geht noch“ – Reflex.

Ich freue mich Euch an dieser Stelle mitteilen zu dürfen, dass Noyce™️ geliefert haben. Dass sie das Versprechen, das sie seinerzeit mit “Fall[Out]” gegeben haben, auf “Love Ends” auf denkbar grandioseste Weise einlösen. An gelungenen Veröffentlichungen im Düsterbereich mangelt es derzeit nicht; gerade zum Jahresende kamen und kommen so einige Schmankerl auf den Markt. Aber “Love Ends” ist etwas besonderes. Eines dieser Alben, wo man dem kritischen, teilweise sehr politischen und mitunter zutiefst humanistischen Inhalten folgen kann – oder sich so sehr von der Musik begeistern lassen, dass man sich mit der überraschenden, den Inhalt manchmal direkt schon kontrastierenden Wärme am liebsten zudecken möchte.

Es ist übrigens ein Trugschluss wenn man glaubt, nach den vorangegangenen Appetithäppchen einen Teil des Albums schon zu kennen. Sicherlich; Texte und Melodiebögen bereits ausgekoppelter Stücke sind nicht neu. Im Vergleich zur Single von “Fall[Out]” hat sich in Sachen Klang und Produktion aber noch viel getan. Die Düsseldorfer suchten sich für ihr Album nämlich Unterstützung in Form von John Fryer (u.a, HIM, Depeche Mode oder Nine Inch Nails), Krischan Wesenberg (Rotersand, Radioaktivists) und vor allem Adrian le Monde, der den größten Anteil an Mix und Klang hatte. Mit dem Ergebnis, dass “Love Ends” – Album als auch gleichnamige B-Seite der letzten Single – im Klangbild deutlich detaillierter, in Sachen Sound viel druckvoller und dynamischer aus den Boxen scheppern, als es zuvor der Fall gewesen ist.

Als Beispiel dafür, wie viel Abwechslung in nur einem der 12 Songs dieses Albums stecken kann, sei einmal mehr das besagte Titelstück genannt. Da können sich so manche Mitbewerber eine Scheibe abschneiden. Auch die angenehm dunkle und warme Stimme von Sänger Florian Schäfer wirkt hier noch einmal kraftvoller und präsenter. In dem Zusammenhang: es ist immer wieder schön zu hören, dass es in der Düsterszene, dieser sogenannten, immer noch Sänger unterwegs sind, die es nicht nötig haben, ihre Stimme zu verfremden, weil sie ansonsten wohl zu dürftig klingen würde.

Technisch muss sich “Love Ends” nicht verstecken. Ganz im Gegenteil, es reiht sich ein in die Riege der Top-Produktionen dieses Jahres. Aber was würde das nützen, wenn der Inhalt nur belangloses Pillepalle-Gesülze wäre? Die Alben von irgendwelchen 0815-Pop-Sternchen sind schließlich auch immer nach allen Regeln der Kunst produziert und doch oft nur gehaltsarme Grütze. Quasi wie Schokoweihnachtsmänner. Außen lecker, aber innen eben hohl. Nicht so bei Noyce™️. Die Düsseldorfer verpassen ihrem klanglich hochwertigen Electro-Pop inhaltliche Substanz, indem sie sich anschauen, was in dieser Welt gerade so passiert und sich fragen: ist das alles, wozu der Mensch heute in der Lage ist? Ist die Liebe, die durchaus auch als Synonym für Menschlichkeit, Mitgefühl und, ja, Nächstenliebe steht, am Ende? Oder besteht noch Hoffnung?

Das tun sie oft nie direkt, sondern gerne mal hintergründig. Da wäre zum Beispiel das Stück “Heimat”, das sich mit der anhaltenden Problematik der Flüchtlingskrise beschäftigt. Die einen schwimmen im Wohlstand, die anderen im Mittelmeer und beide werden darin ertrinken, wenn wir nicht bald mal lernen, uns gegenseitig die Hand zu reichen. Heimat – Das Ende schien noch nie so nah / Heimat – An diesem Ort der früher Heimat war, heißt es dort. Noyce™️-Kenner werden übrigens bemerken, dass die Band sich hier an einen Text in deutscher Sprache gewagt hat. Ein Unterfangen, das gerne mal in die Hose geht, wenn es sich um brisante Themen dreht. Den Rheinländern ist es jedoch gelungen, Kitsch und Plattitüden zu umschiffen. Tatsächlich kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Stück wie “Heimat” die gleiche Wirkung erzielen würde, wäre der Text in Englisch verfasst worden.

Anderes Beispiel: “Kaltland”, das sich mit den Besorgt- und Wutbürgern beschäftigt; mit jenen, die auf die Straße gehen und “Wir sind das Volk!” skandieren. Es führt ihnen das Fehlverhalten vor Ohren (ihr seid eben nicht das Volk!), ohne jedoch in die oft zu erlebende Falle zu tappen, die Ver(w)irrten schlicht anzugreifen oder zu verurteilen. Dass “Kaltland” musikalisch dabei die sperrigste und unbequemste Nummer dieses Albums ist, passt gut ins Bild.

In “Mensch[en]” betrachten Noyce™️ dieses Problem sogar noch auf einer quasi globalen Ebene. Es ist der Mensch der sich oft fürchtet dass seine Welt zerbricht / weil er denkt ein Kampf um Rassen sein heilig Land beschützt / Doch der Mensch scheint äußerlich nur anders egal wo er auch lebt / drum atme Mensch, komm atme, sonst ist es bald zu spät. Ich denke, es würde tatsächlich helfen, wenn wir uns alle wieder bewusst machen, dass niemand von uns der Mittelpunkt der Welt ist und Dinge nur besser werden können, wenn wir mal durchatmen und uns darauf besinnen, wie Toleranz und gegenseitige Rücksichtnahme funktionieren. Ein Mensch ist ein Mensch. Punkt. Ganz gleich welcher Herkunft, Hautfarbe, Religion, politischer oder sexueller Ausrichtung oder was weiß ich, und niemand – wirklich niemand! – hat das Recht, sich über einen anderen zu erheben. Wenn wir das nicht endlich mal begreifen, ist es wohl wirklich bald zu spät. Die Menschheit steht angesichts von Dingen wie etwa dem Klimawandel eindeutig vor anderen Herausforderungen als jenen, sich in kleingeistigem Geplänkel aus Angst, Hass, Neid und/oder Missgunst gegenseitig die Birne einzuschlagen. Das kann nicht oft genug betont werden. Schön dass sich Noyce™️ hier einreihen in die Riege derer, welche die Stimme erheben.

Die Dinge, die Noyce™️ auf “Love Ends” thematisieren – lang und breit kann man darüber diskutieren oder im stillen Kämmerlein vor sich hin sinnieren. Es ist als Kunststück zu bezeichnen, dass man das nicht muss. Die Fragen, die in den Raum geworfen werden, drängen sich nicht auf. Es ist nicht so, dass die Band mit dem Holzhammer auf den Hörer eindrischt, frei nach dem Motto: denk da mal drüber nach! Nö. Sie beobachten, grübeln, und fragen, überlassen es aber gänzlich ihrem Publikum, ob dieses den Gedanken folgen, sich eigene machen oder vielleicht auch einfach nur in der Musik verlieren möchte. Auch das funktioniert auf “Love Ends” bestens.

Wir befinden uns zum Erscheinen des Albums noch im Herbst, der Winter streckt seine kalten Finger aber immer mehr und immer öfter aus. Grau in grau dominiert die Tage. Und die Kälte, die überall vorherrscht, wird nicht nur von den Temperaturen bestimmt. “Love Ends” ist im Hinblick auf die Gestaltung der Songs, der raffinierten Melodiebögen, der stimmlichen Leistungen von Florian Schäfer, die auf einer Idee Adrians basierend hier mehr aus dem Mix herausragt, sowie der wohlfeilen Produktion ein bisschen wie diese Handwärmer, die man knickt und dann in die Manteltasche steckt. Oder eine große Tasse heißer Schokolade. Es wärmt. Vor allem die Seele. Und fast schon nebenbei ist es ein unheimlich gutes Album geworden, dem die lange Zeit des Reifens sehr bekommen ist. Abgerundet wird es durch schickes Artwork und ein wirklich hübsches Booklet.

Fazit

Im Pressetext, der “Love Ends” ankündigt, heißt es: “In einer auf Instant-Ruhm gebürsteten Gegenwart ist es ein fataler Irrglaube, dass Musiker nach kurzjähriger Ton-Abstinenz zwangsläufig in Vergessenheit geraten müssen. So etwas geschieht eher dann, wenn es Kunst und Klang an der nötigen Substanz mangelt – und vom Gesamtwerk, aus zeitlicher Ferne betrachtet, nicht nur der sprichwörtliche “Lack” ab ist”. Ich möchte meinen, dass bei Noyce™️ nicht nur der Lack eben nicht ab ist, sondern ganz im Gegenteil: sie haben möglicherweise noch nie so geglänzt wie mit diesem Juwel von einem Album! Es gehört ein bisschen Mut dazu, aus dem Gewohnten auszubrechen. Die Düsseldorfer haben das getan, indem sie Texte mit politischem Hintergrund erstmals in Deutsch singen. Das Unterfangen ist geglückt. Darüber hinaus ist “Love Ends” ein ganz wunderbares Album, das trotz (oder vielleicht auch gerade?) wegen der gewählten Inhalte eine ganz erstaunliche Wärme versprüht. Es ist eines von dieser Sorte, mit denen man sich zudecken möchte. Möglicherweise werden jetzt wieder einige Jahre ins Land ziehen, ehe uns Noyce™️ mit einem weiteren Album beglücken. Bis dahin wird “Love Ends” aber nichts von seiner Aktualität eingebüßt haben – und erst recht nicht von seiner Klasse.


8. November 2017 TERRORVERLAG / UH
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NOYCE TM aus Düsseldorf sind zurück mit ihrem nunmehr zehnten Studioalbum namens “Love Ends”. Dieser Titel ist auch programmatisch für viele der deutschen und englischen Texte auf dem 12 Tracks umfassenden Album zu sehen. Textlich dreht es sich wieder um allzu Persönliches, Menschliches, traurig Wehmütiges und um den Verlust des Gewohnten. Auch zwei sehr aktuelle politische Themen packt man mit “Heimat” (Auswirkungen der Flüchtlingskrise) und “Kaltland” (Wutbürger in ihrer Internetfilterblase) gekonnt an. Sowohl musikalisch als auch lyrisch überzeugen die beiden Stücke.

Die übrigen zehn Kompositionen stehen dem allerdings in nichts nach. So ist es den vier Düsseldorfer Herren gelungen, ein rundherum abgestimmtes und wohlklingendes Electroalbum mit S-Pop- und E-Popanleihen vorzulegen, welches einen hohen Flow beim Durchhören hat. Seit 20 Jahren macht man zusammen Musik und hat sich dabei in punkto Qualität stetig gesteigert. Bei diesem Album haben Krischan Wesenberg als Produzent (zuvor L‘ÂME IMMORTELLE & ROTERSAND) und John Fryer geholfen. Letzterer hat bereits Alben von HIM, NIN, DM & CLAN OF XYMOX abgemischt. Das hat der Produktion hörbar gut getan!

Das zuvor schon ausgekoppelte “Fall[out]” erinnert an COVENANT und [:SITD:] mit seinem Drive und der dunklen Energie. Sicherlich eine sinnvolle Auswahl, als musikalisch stärkstes Stück auf “Love Ends” würde ich aber das düstere “Die Ungeliebten” sehen, welches die zerstörerische Wut ungeliebter und ungewollter Menschen thematisiert – bleibt einem im Gedächtnis. Das humanistische und wehmütige “Menschen”, der Opener “At the End” und das wundervolle “Zertrennlich” erinnern an das musikalische Schaffen von Bernd Heinrich Graf und Hennig Verlage (ehem. UNHEILIG) oder auch an die verblichenen WOLFSHEIM.

Wer die Musik von NOYCE TM kennt und schätzt, wird nicht überrascht sein, allen anderen sei dieses Album als Hörempfehlung ans Herz gelegt. Wer wehmütigen und melancholischen Electro mag, wird seine Freude daran haben. Auch ästhetisch ist man mit dem stimmungsvollen Design des Jewel-Case, den Grafiken und stilisierten Bandfotos ganz vorne mit dabei und unterstreicht den Gesamteindruck der vorliegenden Qualitätsproduktion.


November 2017 SONIC SEDUCER / Sascha Blach
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Sechs Jahre nach Veröffentlichung des letzten Longplayers "Past:ique" beweisen die Düsseldorfer Noyce™️, dass sie nichts verlernt haben. Auf seinem fünften Album "Love Ends" liefert das Quartett wieder melodisch-tanzbaren Synthie- und Electro-Pop, der mit Gitarren und Sprachsamples sowie englischen und deutschen Texten versehen wurde.

Die Stärke der Band sind neben wohligen elektronischen Arrangements die eingängigen Chorusse, denn Tracks wie "Heimat", "Brave New World" oder "Menschen" bekommt man schon nach ein, zwei Mal hören nicht aus dem Ohr.

Immer wieder scheinen deutliche Inspirationen aus den 80ern durch, doch nicht zuletzt dank der tatkräftigen Mithilfe von Adrian Le Monde, John Fryer (Depeche Mode, NIN, HIM) und Rotersand-Klangtüftler Krischan Wesenberg ist "Love Ends" auf der Höhe der Zeit. Die zwölf Songs sind warm, transparent und druckvoll produziert und lassen genug Platz für die Stimme, mitreißende Beats sowie weite atmosphärische Pads.

Wer auf Melotron, Frozen Plasma, In Strict Confidence oder Diorama steht, kommt auch anno 2017 nicht an der von Noyce™️ als Headpop bezeichneten Musik vorbei - Sounds für Hüften, Herz und Hirn quasi.


November 2017 ORKUS / Claudia Zinn-Zinnenburg
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Noyce™️ - Love Ends - Ein tiefgründiger Leckerbissen

...At the End katapultiert Dich in die Klangwelt von Noyce™️, die zunächst eine Art Endzeitstimmung erzeugt. So ist das eben, wenn Love Ends... The World is Quiet, Verzweiflung macht sich breit. Sense of Despair führt Dich in träumerische Sphären voll wunderschöner Synthiesounds und dramatischer Geigenklänge.

Heimat schlägt ernste Töne an und entpuppt sich mit seinem politischen Inhalt als brandaktuell. Zeitlos ist Mensch[en] geblieben, eine nachdenkliche, besonnene Version des Songs Mensch, der auch nach elf Jahren nichts an Relevanz eingebüßt hat.

Das bitterböse Kaltland ist eine scharfe Zeichnung unseres "Like"-versessenen Zeitalters. Fall[Out] zerrt Dich durch seine stampfenden Beats auf die Tanzfläche und lässt Deinen Körper im Takt von Noyce™️ vibrieren.

Bei Love Ends funktioniert jeder Track perfekt für sich alleine; gemeinsam bilden die Lieder aber auch ein großes Ganzes, erzählen eine übergeordnete Geschichte. Dem Quartett gelingt es, deutlich mehr aus dem Genre des Electro-Pop herauszuholen, als "nur" geilen Sound. Überdies bietet Love Ends mit seinem lyrischen Tiefgang willkommene Nahrung für Geist und Hirn.


2. November 2017 DARK MJUSIC WORLD / Riccardo Oldenburg
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NOYCE™ melden sich zurück! Das Düsseldorfer Electro-Pop Gespann um Sänger Florian Schäfer existiert bereits seit 1996. Man hatte damals bereits Songs geschrieben, stand aber vor Veröffentlichung des dritten Albums ihres Vorgänger-Projekts Silence Gift. Auf Anraten ihres Produzenten Olaf Wollschläger brachten sie die Tracks aber lieber als eigenständige EP heraus. Der Startschuss für NoyceTM.

Kaum war das Debüt-Album „The White Room“ 1999 draußen, begleitete man VNV Nation auf der „Empires“ Tour und im Jahre 2000 folgte die zweite EP. Bis 2006 herrschte komplette Funkstille. Seitdem sind die Düsseldorfer wieder aktiv und haben weitere drei Alben, sowie eine Special Edition inklusive CD und ebenso viele weitere EPs. 2015 folgte die letzte EP „Fall(Out)“. Das letzte Album „Past:ique“ liegt sechs Jahre zurück.

Nun erscheint am 03.11.2017 endlich das brandneue Album mit dem extrem zeitnahen Namen „Love Ends“. Album Numero 5 beinhaltet zwölf brandneue Tracks, die ich Euch heute vorstellen möchte.

Es beginnt sehr spannend mit „…at the End“. Störsequenzen, Störsender, bedrohlich bedrückende Atmosphäre, Industrial-Noise artige Geräusche, irgendwann der Übergang zu feinstem Electro mit ordentlichen Drums. Wundervoller, starker Opener!

Weiter geht es mit „Sense of Despair“ und das Album beginnt richtig. Dark Electro, old school sounds, Florians betörende Stimme, düstere Atmosphäre. Im Refrain wird es deep, wehmütig, melancholisch, mit Electro-Pop Anstrich. Klasse gemacht! Natürlich auch von der lyrischen Seite her. Übrigens auch auf Youtube zu finden. Hört doch direkt mal rein in diesen tollen Vorboten!

Deutsches Liedgut erwartet uns mit „Heimat“. Auch hier ist es düster, tief, melancholisch, nachdenklich, todtraurig. Mit zutiefst treffendem Gesang und Lyrik, die direkt in´s Herz trifft. Heimat definiert jeder selber. Heimat kann vielseitig sein. Diese Perle spricht eher vom Verlust eben jener Heimat.

Weiter geht´s mit „Brave New World“. Hier zaubern die Düsseldorfer eine zutiefst traurige, abwechslungsreiche, betörende Hymne. Richtig genial gemacht, besonders der Klang, die Atmosphäre, die Sounds im Refrain. Besonders hier sticht das derbe Bittere dieser Perle heraus.

„Propaganda“ darf auf so einer Scheibe natürlich nicht fehlen. Betörend, arschkriechend, schleichend, harmlos wirkend – wie Propaganda eben arbeitet.

„Kaltland“. Viel verrate ich dazu nicht. Musikalisch aufgebaut wie das Theater des Grauens. Perfekt gewählt, weil es genau das ist, was da passiert. Also das, was Florian da besingt, nicht das Lied und der Text!

Das Herz- und Titelstück „Fall(Out)“ der gleichnamigen, vorangegangenen EP von 2015 ist auch drauf. Einerseits schnell, derbe, tanzbar – andererseits himmlisch, berührend, voller Licht (meint man… ). Sehr genial!

„Die Ungeliebten“. Auch sehr passend für diese CD. Man weiß schon, in welche Richtung es geht. Was es mit den aufgeführten Zahlen auf sich hat, weiß ich leider nicht. Klingt irgendwie nach Binär-Code. Ansonsten sehr gutes Instrumental, sehr traurig, sehr bewegend. Die Neuzeit-Elektronik stört mich allerdings. Erinnert zwar an Klangstabil, aber die machen das ein bisschen besser. Das Sample nach den Zahlen ist allerdings fantastisch und verdammt wahr. Kleiner Minuspunkt, der Rest ist spitze!

„Mensch(en)“ ist der Platte auch direkt auf den Leib geschneidert. Verdammt wahr und pure Anklage.

Dem direkt anschließen kann sich auch „Zertrennlich“. Mystisch, dunkel-romantisch, melancholisch, höchst geniale Lyrik, wunderschöne Melodien.

„The World Is Quiet“. Welch bittere Ironie. Wenn sie es doch nur wäre. Sie schweigt ja, aber an der falschen Stelle. Sticht definitiv raus, denn Florian wird etwas deutlicher und Dark Rock prescht den Track voran. Zumindest im Refrain, der Rest ist eher melancholisch-anklagender Electro.

Mit dem Herz- und Titelstück des Albums, „Love Ends“, endet nicht nur die Liebe, sondern auch die CD. Aber mit einem Knall! Faszinierender, fantastischer Abgang! Und so herrlich gruftig! Weiter so!

Fazit: Dieses Werk ist nix für zartbesaitete Weichspülermusik-Fans, hier muss man zuhören, die Musik wirken lassen. Musik und Text arbeiten perfekt zusammen und kreieren das bisher „derbste“ Album der Düsseldorfer.


28. November 2017 SCHWARZES BAYERN
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NOYCE™ gingen in den letzten 21 Jahren mit so manchen klangvollen Bands (unter anderem VNV Nation, Diary of Dreams) auf Tour, sie standen auf dem Programm beim WGT (2010) und Mera Luna (2012), am 3. November haben sie ihre neue CD veröffentlicht. Love ends folgt dem Electro-Pop-Pfad vorangegangener Veröffentlichungen der Band und lässt auch zeitkritische Töne in deutscher Sprache hören.

Das Intro „at the End“ ist verzerrt, elektronisch, und man bekommt diese prägnante weibliche Stimme zu hören, die einen auf dem Album immer wieder begegnet. „Fall[out]“ und „Sense of despair“ haben es bereits in die Top 5 der Deutschen Alternative Charts geschafft:

Aber auch andere Titel wissen zu punkten. Mir drängt sich immer wieder ein Melotron-Vergleich auf („Unzertrennlich“). Der Großteil des Albums lädt zum Tanzen ein („Sense of despair“), aber auch derzeitige Brennpunkte wie zum Beispiel die Flüchtlingskrise („Heimat“) werden in den Songs behandelt. Besonders gefallen hat mir auch „Die Ungeliebten“, das textmäßig etwas Richtung Kraftwerk schielt.

Die CD erscheint in einem Digipak mit einem 16-seitigen Booklet, das einem sicherlich den Einstieg in die heutige Electro-Pop-Welt von NOYCE™ ebnet, sofern man nicht schon Fan ist. Die Band erzählt einem ihre mitunter ruhigen Geschichten und Gedanken auf ihre eigene Art, Reminiszenzen an musikalische Kollegen stechen hervor und fügen sich gut ein. Allerdings springt zum Beispiel bei „Brave World“ bei mir einfach der Funke nicht über, der Track ist etwas zu gleichförmig. Ein kleiner Minuspunkt innerhalb dieser ansonsten gut entwickelten und arrangierten Electro-Pop-CD.

Anspieltipp: Sense of despair, Unzertrennlich, The world is quiet