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NOYCE™ - "LOVE ENDS": GROSSE HUMANISTEN

Unter fulminanten Bläsern haben die Beatles einst "All you need is love" propagiert. Noyce™ drehen diesen Spieß jetzt um: "At the end when love ends, is the moment when life ends", beginnt das vierte Album des Düsseldorfer Vierergespanns unter zersetzter Elektronik, donnerndem Schlagwerk und synthetischen Streichern. Die von einer weiblichen Roboterstimme (sie wird im Laufe des Albums öfters noch zu hören sein) vorgetragenen Zeilen provozieren ein postnukleares Gefühl des Unbehagens. Es klingt wie die ernüchternde Folgerung des einstigen Banner der 68er-Generation. Alles was du zum Leben brauchst, ist Liebe. Wenn diese aber endet, endet auch das Leben.

Aber wir leben alle noch. Manche sind jedoch nachgerade verdammt dazu. Und sehen sich wie in "Heimat" einer ungewissen Zukunft, fern von ihrem einstigen Zuhause, ausgeliefert. Selbst die anschmiegsamen Sequenzen nehmen nur wenig Bitterkeit aus diesem Stück, das in Zeiten der globalen Flüchtlingsströme nicht nach Obergrenzen oder Verteilung der Gestrandeten auf die einzelnen Länder fragt. Es geht nicht um Flucht, sondern um Vertreibung. Das ist ein feiner Unterschied, den der Song aufzeigt. Denn die beiden Protagonisten darin blicken auf ihre Wurzeln zurück, "auf das, was einmal Heimat war" und werden sich bewusst: "Die heile Welt wird Nostalgie". Der Blickwinkel des Flüchtlings und seinen Gefühlen wird in den hitzigen Debatten oftmals außer Acht gelassen. Noyce™ verleihen ihm eine Stimme.

Wo zu wenig Heimat auf der einen Seite, da scheinbar zu viel auf der anderen. "Kaltland" reflektiert das verschwurbelte neue deutsche Nationalgefühl angesichts vermeintlich drohender Überfremdung. Auch hier vermeidet es das Ensemble, allgemeines AfD-Wähler-Bashing zu betreiben. Vielmehr seziert es diese neue Gesellschaftsschicht, die in den Internetforen und sozialen Medien ihre eigenen Wahrheiten verbreitet, die "Lügenpresse" verurteilt und auf den Pegida-Demonstrationen lauthals "Wir sind das Volk!" brüllt. "Verstehst Du nicht, dass die Parole einst für den Wunsch nach Freiheit stand?", fragt Florian und hofft dabei auf Einsicht.

Der Mensch steht im Vordergrund bei "Love Ends", stärker als je zuvor in der Bandgeschichte. Konsequenterweise haben sich Noyce™ dazu entschlossen, ihren Song "Mensch" aus ihrem Album "Coma" neu einzuspielen. "Mensch[en]" verweist einmal mehr auf die Fehler unserer Spezies, aber auch unseren Möglichkeiten, es in Zukunft besser zu machen. Das getragene Soundbett dazu verstärkt die Intensität des Schäfer'schen Wortes, das viel mehr gehört werden müsste. Im Gegensatz zur ersten Fassung wirkt das Stück nachdenklicher, introvertierter, wie ein Epilog auf die einstigen mahnenden Worte. Viel Zeit ist zwischen "Mensch" und "Mensch[en]" vergangen - gespickt mit traurigen Ereignissen.

Florian und seine geräuschvollen Kollegen zeigen sich als große Humanisten, die mit Sorge betrachten, was auf unserem Planeten vor sich geht. "Das Unglück der Welt geht von den Ungeliebten aus" verkündet die Roboterstimme einmal mehr in seltsam distanzierten Timbre in "Die Ungeliebten". Zuvor nennt sie verschiedene Jahrestage. Es sind jene, an denen sich terroristische Akte ereignet haben. "22.03.16" (Anschläge in Brüssel, 35 Menschen sterben), "23.10.02" (Geiselnahme im Moskauer Dubrowka-Theater mit 130 Toten), "11.03.09" (Amoklauf eines Schülers in der Albertville-Realschule in Winnenden, 15 Tote) und so weiter. Wie ein Koordinaten-Netzwerk des Schreckens breiten sich die Zahlen im Song aus; am Ende prangt das große "11.09.01" als immer noch präsentes Datum, das die Welt für immer verändern sollte.

"Love Ends" will bei aller Sicht auf die Schlechtigkeit der Welt vor allem eines: Liebe verbreiten. Auch wenn der Titel vordergründig das Gegenteil vermuten lässt. Die Band wendet sich mit ihren zwölf Songs an jeden fühlenden Hörer und ermutigt ihn dazu, selbst etwas beizutragen, um Hass und soziale Isolation einzudämmen. "Raise up your voice against the violence, create a better place" fordert Florian eindringlich in "Brave New World". Seine hoffnungsvollen Gedanken unterlegt er mit mollschwangeren Synthie-Klängen, die gleichzeitig zur Eile drängen. Viel Zeit bleibt nicht mehr, um die Welt zum Guten zu wenden. Denn was passiert, wenn man nicht die Stimme erhebt, lässt sich bei "The World Is Quiet" ableiten. "You feel the silence grow. Result of human error in the end".

Zum Schluss hat noch einmal die Roboterfrau das Wort. Der Sänger wendet sich zu ihr mit der Frage "Ist dies nun das Ende?". Ihre Replik: "Die Liebe endet...aber die Hoffnung bleibt." Die Ambivalenz aus dem zuversichtlichen Text, die von einer seelenlosen Maschine gesprochen wird, verdeutlicht noch einmal, wie sehr der Mensch sich von der Technik abhängig gemacht hat und auch sein Wohl und Wehe in einen unbeirrbaren Fortschrittsglauben steckt.

Dabei sollten wir unser Herz nicht den Smartphones oder Tablets, sondern den Menschen um uns herum, egal welcher Herkunft, schenken und ihnen mit Liebe entgegentreten. "Love Ends" will genau dies erreichen und versucht, die Welt ein Stück weit besser machen. Es braucht nicht viel für einen Anstupser: All you need is Noyce™.

8. November 2017 von Daniel Dressler




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Bekanntlich will Weile haben, was ein gut Ding werden soll. Die Geschichte des jüngsten Albums von Noyce™️ zieht sich schon über ein paar Jahre. Bereits am letzten Juli-Tag des Jahres 2013 erschien bei Youtube das Video zu „Fall[Out]”. Die zugehörige Single jedoch, die erblickte erst im Januar 2015 das Licht der Musikshops dieser Welt. Weitere, knappe anderthalb Jahre später folgte ein weiterer Appetitanreger in Form von “The World Is Quiet”. Und nun ist es also endlich da, dieses mit großer Spannung erwartete neue Album “Love Ends”. In meinem Fazit zu “Fall[Out]” schrieb ich vor zwei, inzwischen fast drei Jahren:

Wenn der Rest des kommenden Konzeptalbums „Love Ends“ hält, was diese Single verspricht, dann steht uns dank NOYCE™ womöglich ein richtiger Knaller ins Haus. „Fall[Out]“ ist eine sehr gefällige Electropop-Nummer mit einem spannenden Twist im Refrain, deren Einzug in gängige düster- und alternativelektronische Charts ich schon förmlich vor mir sehe. Tanzen ließe es sich dazu auch gut. Tolle Beschallung für drinnen und draußen also. Vor allem aber begeistert dieser Song durch die mit jedem erneuten Hören zunehmende Sogwirkung. Daher sei folgender Warnhinweis angebracht: Immer wenn ich denke „so, reicht jetzt erstma“ kommt gleich anschließend ein „ach komm, einmal geht noch“ – Reflex.

Ich freue mich Euch an dieser Stelle mitteilen zu dürfen, dass Noyce™️ geliefert haben. Dass sie das Versprechen, das sie seinerzeit mit “Fall[Out]” gegeben haben, auf “Love Ends” auf denkbar grandioseste Weise einlösen. An gelungenen Veröffentlichungen im Düsterbereich mangelt es derzeit nicht; gerade zum Jahresende kamen und kommen so einige Schmankerl auf den Markt. Aber “Love Ends” ist etwas besonderes. Eines dieser Alben, wo man dem kritischen, teilweise sehr politischen und mitunter zutiefst humanistischen Inhalten folgen kann – oder sich so sehr von der Musik begeistern lassen, dass man sich mit der überraschenden, den Inhalt manchmal direkt schon kontrastierenden Wärme am liebsten zudecken möchte.

Es ist übrigens ein Trugschluss wenn man glaubt, nach den vorangegangenen Appetithäppchen einen Teil des Albums schon zu kennen. Sicherlich; Texte und Melodiebögen bereits ausgekoppelter Stücke sind nicht neu. Im Vergleich zur Single von “Fall[Out]” hat sich in Sachen Klang und Produktion aber noch viel getan. Die Düsseldorfer suchten sich für ihr Album nämlich Unterstützung in Form von John Fryer (u.a, HIM, Depeche Mode oder Nine Inch Nails), Krischan Wesenberg (Rotersand, Radioaktivists) und vor allem Adrian le Monde, der den größten Anteil an Mix und Klang hatte. Mit dem Ergebnis, dass “Love Ends” – Album als auch gleichnamige B-Seite der letzten Single – im Klangbild deutlich detaillierter, in Sachen Sound viel druckvoller und dynamischer aus den Boxen scheppern, als es zuvor der Fall gewesen ist. Als Beispiel dafür, wie viel Abwechslung in nur einem der 12 Songs dieses Albums stecken kann, sei einmal mehr das besagte Titelstück genannt. Da können sich so manche Mitbewerber eine Scheibe abschneiden. Auch die angenehm dunkle und warme Stimme von Sänger Florian Schäfer wirkt hier noch einmal kraftvoller und präsenter. In dem Zusammenhang: es ist immer wieder schön zu hören, dass es in der Düsterszene, dieser sogenannten, immer noch Sänger unterwegs sind, die es nicht nötig haben, ihre Stimme zu verfremden, weil sie ansonsten wohl zu dürftig klingen würde.

Technisch muss sich “Love Ends” nicht verstecken. Ganz im Gegenteil, es reiht sich ein in die Riege der Top-Produktionen dieses Jahres. Aber was würde das nützen, wenn der Inhalt nur belangloses Pillepalle-Gesülze wäre? Die Alben von irgendwelchen 0815-Pop-Sternchen sind schließlich auch immer nach allen Regeln der Kunst produziert und doch oft nur gehaltsarme Grütze. Quasi wie Schokoweihnachtsmänner. Außen lecker, aber innen eben hohl. Nicht so bei Noyce™️. Die Düsseldorfer verpassen ihrem klanglich hochwertigen Electro-Pop inhaltliche Substanz, indem sie sich anschauen, was in dieser Welt gerade so passiert und sich fragen: ist das alles, wozu der Mensch heute in der Lage ist? Ist die Liebe, die durchaus auch als Synonym für Menschlichkeit, Mitgefühl und, ja, Nächstenliebe steht, am Ende? Oder besteht noch Hoffnung?

Das tun sie oft nie direkt, sondern gerne mal hintergründig. Da wäre zum Beispiel das Stück “Heimat”, das sich mit der anhaltenden Problematik der Flüchtlingskrise beschäftigt. Die einen schwimmen im Wohlstand, die anderen im Mittelmeer und beide werden darin ertrinken, wenn wir nicht bald mal lernen, uns gegenseitig die Hand zu reichen. Heimat – Das Ende schien noch nie so nah / Heimat – An diesem Ort der früher Heimat war, heißt es dort. Noyce™️-Kenner werden übrigens bemerken, dass die Band sich hier an einen Text in deutscher Sprache gewagt hat. Ein Unterfangen, das gerne mal in die Hose geht, wenn es sich um brisante Themen dreht. Den Rheinländern ist es jedoch gelungen, Kitsch und Plattitüden zu umschiffen. Tatsächlich kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Stück wie “Heimat” die gleiche Wirkung erzielen würde, wäre der Text in Englisch verfasst worden.

Anderes Beispiel: “Kaltland”, das sich mit den Besorgt- und Wutbürgern beschäftigt; mit jenen, die auf die Straße gehen und “Wir sind das Volk!” skandieren. Es führt ihnen das Fehlverhalten vor Ohren (ihr seid eben nicht das Volk!), ohne jedoch in die oft zu erlebende Falle zu tappen, die Ver(w)irrten schlicht anzugreifen oder zu verurteilen. Dass “Kaltland” musikalisch dabei die sperrigste und unbequemste Nummer dieses Albums ist, passt gut ins Bild. In “Mensch[en]” betrachten Noyce™️ dieses Problem sogar noch auf einer quasi globalen Ebene. Es ist der Mensch der sich oft fürchtet dass seine Welt zerbricht / weil er denkt ein Kampf um Rassen sein heilig Land beschützt / Doch der Mensch scheint äußerlich nur anders egal wo er auch lebt / drum atme Mensch, komm atme, sonst ist es bald zu spät. Ich denke, es würde tatsächlich helfen, wenn wir uns alle wieder bewusst machen, dass niemand von uns der Mittelpunkt der Welt ist und Dinge nur besser werden können, wenn wir mal durchatmen und uns darauf besinnen, wie Toleranz und gegenseitige Rücksichtnahme funktionieren. Ein Mensch ist ein Mensch. Punkt. Ganz gleich welcher Herkunft, Hautfarbe, Religion, politischer oder sexueller Ausrichtung oder was weiß ich, und niemand – wirklich niemand! – hat das Recht, sich über einen anderen zu erheben. Wenn wir das nicht endlich mal begreifen, ist es wohl wirklich bald zu spät. Die Menschheit steht angesichts von Dingen wie etwa dem Klimawandel eindeutig vor anderen Herausforderungen als jenen, sich in kleingeistigem Geplänkel aus Angst, Hass, Neid und/oder Missgunst gegenseitig die Birne einzuschlagen. Das kann nicht oft genug betont werden. Schön dass sich Noyce™️ hier einreihen in die Riege derer, welche die Stimme erheben.

Die Dinge, die Noyce™️ auf “Love Ends” thematisieren – lang und breit kann man darüber diskutieren oder im stillen Kämmerlein vor sich hin sinnieren. Es ist als Kunststück zu bezeichnen, dass man das nicht muss. Die Fragen, die in den Raum geworfen werden, drängen sich nicht auf. Es ist nicht so, dass die Band mit dem Holzhammer auf den Hörer eindrischt, frei nach dem Motto: denk da mal drüber nach! Nö. Sie beobachten, grübeln, und fragen, überlassen es aber gänzlich ihrem Publikum, ob dieses den Gedanken folgen, sich eigene machen oder vielleicht auch einfach nur in der Musik verlieren möchte. Auch das funktioniert auf “Love Ends” bestens. Wir befinden uns zum Erscheinen des Albums noch im Herbst, der Winter streckt seine kalten Finger aber immer mehr und immer öfter aus. Grau in grau dominiert die Tage. Und die Kälte, die überall vorherrscht, wird nicht nur von den Temperaturen bestimmt. “Love Ends” ist im Hinblick auf die Gestaltung der Songs, der raffinierten Melodiebögen, der stimmlichen Leistungen von Florian Schäfer, die auf einer Idee Adrians basierend hier mehr aus dem Mix herausragt, sowie der wohlfeilen Produktion ein bisschen wie diese Handwärmer, die man knickt und dann in die Manteltasche steckt. Oder eine große Tasse heißer Schokolade. Es wärmt. Vor allem die Seele. Und fast schon nebenbei ist es ein unheimlich gutes Album geworden, dem die lange Zeit des Reifens sehr bekommen ist. Abgerundet wird es durch schickes Artwork und ein wirklich hübsches Booklet.

Fazit

Im Pressetext, der “Love Ends” ankündigt, heißt es: “In einer auf Instant-Ruhm gebürsteten Gegenwart ist es ein fataler Irrglaube, dass Musiker nach kurzjähriger Ton-Abstinenz zwangsläufig in Vergessenheit geraten müssen. So etwas geschieht eher dann, wenn es Kunst und Klang an der nötigen Substanz mangelt – und vom Gesamtwerk, aus zeitlicher Ferne betrachtet, nicht nur der sprichwörtliche “Lack” ab ist”. Ich möchte meinen, dass bei Noyce™️ nicht nur der Lack eben nicht ab ist, sondern ganz im Gegenteil: sie haben möglicherweise noch nie so geglänzt wie mit diesem Juwel von einem Album! Es gehört ein bisschen Mut dazu, aus dem Gewohnten auszubrechen. Die Düsseldorfer haben das getan, indem sie Texte mit politischem Hintergrund erstmals in Deutsch singen. Das Unterfangen ist geglückt. Darüber hinaus ist “Love Ends” ein ganz wunderbares Album, das trotz (oder vielleicht auch gerade?) wegen der gewählten Inhalte eine ganz erstaunliche Wärme versprüht. Es ist eines von dieser Sorte, mit denen man sich zudecken möchte. Möglicherweise werden jetzt wieder einige Jahre ins Land ziehen, ehe uns Noyce™️ mit einem weiteren Album beglücken. Bis dahin wird “Love Ends” aber nichts von seiner Aktualität eingebüßt haben – und erst recht nicht von seiner Klasse.

15. November 2017 von Roman Jasiek




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NOYCE TM aus Düsseldorf sind zurück mit ihrem nunmehr zehnten Studioalbum namens “Love Ends”. Dieser Titel ist auch programmatisch für viele der deutschen und englischen Texte auf dem 12 Tracks umfassenden Album zu sehen. Textlich dreht es sich wieder um allzu Persönliches, Menschliches, traurig Wehmütiges und um den Verlust des Gewohnten. Auch zwei sehr aktuelle politische Themen packt man mit “Heimat” (Auswirkungen der Flüchtlingskrise) und “Kaltland” (Wutbürger in ihrer Internetfilterblase) gekonnt an. Sowohl musikalisch als auch lyrisch überzeugen die beiden Stücke.

Die übrigen zehn Kompositionen stehen dem allerdings in nichts nach. So ist es den vier Düsseldorfer Herren gelungen, ein rundherum abgestimmtes und wohlklingendes Electroalbum mit S-Pop- und E-Popanleihen vorzulegen, welches einen hohen Flow beim Durchhören hat. Seit 20 Jahren macht man zusammen Musik und hat sich dabei in punkto Qualität stetig gesteigert. Bei diesem Album haben Krischan Wesenberg als Produzent (zuvor L‘ÂME IMMORTELLE & ROTERSAND) und John Fryer geholfen. Letzterer hat bereits Alben von HIM, NIN, DM & CLAN OF XYMOX abgemischt. Das hat der Produktion hörbar gut getan!

Das zuvor schon ausgekoppelte “Fall[out]” erinnert an COVENANT und [:SITD:] mit seinem Drive und der dunklen Energie. Sicherlich eine sinnvolle Auswahl, als musikalisch stärkstes Stück auf “Love Ends” würde ich aber das düstere “Die Ungeliebten” sehen, welches die zerstörerische Wut ungeliebter und ungewollter Menschen thematisiert – bleibt einem im Gedächtnis. Das humanistische und wehmütige “Menschen”, der Opener “At the End” und das wundervolle “Zertrennlich” erinnern an das musikalische Schaffen von Bernd Heinrich Graf und Hennig Verlage (ehem. UNHEILIG) oder auch an die verblichenen WOLFSHEIM.

Wer die Musik von NOYCE TM kennt und schätzt, wird nicht überrascht sein, allen anderen sei dieses Album als Hörempfehlung ans Herz gelegt. Wer wehmütigen und melancholischen Electro mag, wird seine Freude daran haben. Auch ästhetisch ist man mit dem stimmungsvollen Design des Jewel-Case, den Grafiken und stilisierten Bandfotos ganz vorne mit dabei und unterstreicht den Gesamteindruck der vorliegenden Qualitätsproduktion.

8. November 2017 von UH




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Sechs Jahre nach Veröffentlichung des letzten Longplayers "Past:ique" beweisen die Düsseldorfer Noyce™️, dass sie nichts verlernt haben. Auf seinem fünften Album "Love Ends" liefert das Quartett wieder melodisch-tanzbaren Synthie- und Electro-Pop, der mit Gitarren und Sprachsamples sowie englischen und deutschen Texten versehen wurde.

Die Stärke der Band sind neben wohligen elektronischen Arrangements die eingängigen Chorusse, denn Tracks wie "Heimat", "Brave New World" oder "Menschen" bekommt man schon nach ein, zwei Mal hören nicht aus dem Ohr.

Immer wieder scheinen deutliche Inspirationen aus den 80ern durch, doch nicht zuletzt dank der tatkräftigen Mithilfe von Adrian Le Monde, John Fryer (Depeche Mode, NIN, HIM) und Rotersand-Klangtüftler Krischan Wesenberg ist "Love Ends" auf der Höhe der Zeit. Die zwölf Songs sind warm, transparent und druckvoll produziert und lassen genug Platz für die Stimme, mitreißende Beats sowie weite atmosphärische Pads.

Wer auf Melotron, Frozen Plasma, In Strict Confidence oder Diorama steht, kommt auch anno 2017 nicht an der von Noyce™️ als Headpop bezeichneten Musik vorbei - Sounds für Hüften, Herz und Hirn quasi.

November 2017 von Sascha Blach




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Noyce™️ - Love Ends - Ein tiefgründiger Leckerbissen

...At the End katapultiert Dich in die Klangwelt von Noyce™️, die zunächst eine Art Endzeitstimmung erzeugt. So ist das eben, wenn Love Ends... The World is Quiet, Verzweiflung macht sich breit. Sense of Despair führt Dich in träumerische Sphären voll wunderschöner Synthiesounds und dramatischer Geigenklänge.

Heimat schlägt ernste Töne an und entpuppt sich mit seinem politischen Inhalt als brandaktuell. Zeitlos ist Mensch[en] geblieben, eine nachdenkliche, besonnene Version des Songs Mensch, der auch nach elf Jahren nichts an Relevanz eingebüßt hat.

Das bitterböse Kaltland ist eine scharfe Zeichnung unseres "Like"-versessenen Zeitalters. Fall[Out] zerrt Dich durch seine stampfenden Beats auf die Tanzfläche und lässt Deinen Körper im Takt von Noyce™️ vibrieren.

Bei Love Ends funktioniert jeder Track perfekt für sich alleine; gemeinsam bilden die Lieder aber auch ein großes Ganzes, erzählen eine übergeordnete Geschichte. Dem Quartett gelingt es, deutlich mehr aus dem Genre des Electro-Pop herauszuholen, als "nur" geilen Sound. Überdies bietet Love Ends mit seinem lyrischen Tiefgang willkommene Nahrung für Geist und Hirn.

November 2017 von Claudia Zinn-Zinnenburg




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NOYCE™ gingen in den letzten 21 Jahren mit so manchen klangvollen Bands (unter anderem VNV Nation, Diary of Dreams) auf Tour, sie standen auf dem Programm beim WGT (2010) und Mera Luna (2012), am 3. November haben sie ihre neue CD veröffentlicht. Love ends folgt dem Electro-Pop-Pfad vorangegangener Veröffentlichungen der Band und lässt auch zeitkritische Töne in deutscher Sprache hören.

Das Intro „at the End“ ist verzerrt, elektronisch, und man bekommt diese prägnante weibliche Stimme zu hören, die einen auf dem Album immer wieder begegnet. „Fall[out]“ und „Sense of despair“ haben es bereits in die Top 5 der Deutschen Alternative Charts geschafft:

Aber auch andere Titel wissen zu punkten. Mir drängt sich immer wieder ein Melotron-Vergleich auf („Unzertrennlich“). Der Großteil des Albums lädt zum Tanzen ein („Sense of despair“), aber auch derzeitige Brennpunkte wie zum Beispiel die Flüchtlingskrise („Heimat“) werden in den Songs behandelt. Besonders gefallen hat mir auch „Die Ungeliebten“, das textmäßig etwas Richtung Kraftwerk schielt.

Die CD erscheint in einem Digipak mit einem 16-seitigen Booklet, das einem sicherlich den Einstieg in die heutige Electro-Pop-Welt von NOYCE™ ebnet, sofern man nicht schon Fan ist. Die Band erzählt einem ihre mitunter ruhigen Geschichten und Gedanken auf ihre eigene Art, Reminiszenzen an musikalische Kollegen stechen hervor und fügen sich gut ein. Allerdings springt zum Beispiel bei „Brave World“ bei mir einfach der Funke nicht über, der Track ist etwas zu gleichförmig. Ein kleiner Minuspunkt innerhalb dieser ansonsten gut entwickelten und arrangierten Electro-Pop-CD.

Anspieltipp: Sense of despair, Unzertrennlich, The world is quiet
28. November 2017 von Schwarzes Bayern




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NOYCE™ melden sich zurück! Das Düsseldorfer Electro-Pop Gespann um Sänger Florian Schäfer existiert bereits seit 1996. Man hatte damals bereits Songs geschrieben, stand aber vor Veröffentlichung des dritten Albums ihres Vorgänger-Projekts Silence Gift. Auf Anraten ihres Produzenten Olaf Wollschläger brachten sie die Tracks aber lieber als eigenständige EP heraus. Der Startschuss für NoyceTM. Kaum war das Debüt-Album „The White Room“ 1999 draußen, begleitete man VNV Nation auf der „Empires“ Tour und im Jahre 2000 folgte die zweite EP. Bis 2006 herrschte komplette Funkstille. Seitdem sind die Düsseldorfer wieder aktiv und haben weitere drei Alben, sowie eine Special Edition inklusive CD und ebenso viele weitere EPs. 2015 folgte die letzte EP „Fall(Out)“. Das letzte Album „Past:ique“ liegt sechs Jahre zurück.

Nun erscheint am 03.11.2017 endlich das brandneue Album mit dem extrem zeitnahen Namen „Love Ends“. Album Numero 5 beinhaltet zwölf brandneue Tracks, die ich Euch heute vorstellen möchte. Es beginnt sehr spannend mit „…at the End“. Störsequenzen, Störsender, bedrohlich bedrückende Atmosphäre, Industrial-Noise artige Geräusche, irgendwann der Übergang zu feinstem Electro mit ordentlichen Drums. Wundervoller, starker Opener!

Weiter geht es mit „Sense of Despair“ und das Album beginnt richtig. Dark Electro, old school sounds, Florians betörende Stimme, düstere Atmosphäre. Im Refrain wird es deep, wehmütig, melancholisch, mit Electro-Pop Anstrich. Klasse gemacht! Natürlich auch von der lyrischen Seite her. Übrigens auch auf Youtube zu finden. Hört doch direkt mal rein in diesen tollen Vorboten!

Deutsches Liedgut erwartet uns mit „Heimat“. Auch hier ist es düster, tief, melancholisch, nachdenklich, todtraurig. Mit zutiefst treffendem Gesang und Lyrik, die direkt in´s Herz trifft. Heimat definiert jeder selber. Heimat kann vielseitig sein. Diese Perle spricht eher vom Verlust eben jener Heimat.

Weiter geht´s mit „Brave New World“. Hier zaubern die Düsseldorfer eine zutiefst traurige, abwechslungsreiche, betörende Hymne. Richtig genial gemacht, besonders der Klang, die Atmosphäre, die Sounds im Refrain. Besonders hier sticht das derbe Bittere dieser Perle heraus.

„Propaganda“ darf auf so einer Scheibe natürlich nicht fehlen. Betörend, arschkriechend, schleichend, harmlos wirkend – wie Propaganda eben arbeitet.

„Kaltland“. Viel verrate ich dazu nicht. Musikalisch aufgebaut wie das Theater des Grauens. Perfekt gewählt, weil es genau das ist, was da passiert. Also das, was Florian da besingt, nicht das Lied und der Text!

Das Herz- und Titelstück „Fall(Out)“ der gleichnamigen, vorangegangenen EP von 2015 ist auch drauf. Einerseits schnell, derbe, tanzbar – andererseits himmlisch, berührend, voller Licht (meint man… ). Sehr genial!

„Die Ungeliebten“. Auch sehr passend für diese CD. Man weiß schon, in welche Richtung es geht. Was es mit den aufgeführten Zahlen auf sich hat, weiß ich leider nicht. Klingt irgendwie nach Binär-Code. Ansonsten sehr gutes Instrumental, sehr traurig, sehr bewegend. Die Neuzeit-Elektronik stört mich allerdings. Erinnert zwar an Klangstabil, aber die machen das ein bisschen besser. Das Sample nach den Zahlen ist allerdings fantastisch und verdammt wahr. Kleiner Minuspunkt, der Rest ist spitze!

„Mensch(en)“ ist der Platte auch direkt auf den Leib geschneidert. Verdammt wahr und pure Anklage.

Dem direkt anschließen kann sich auch „Zertrennlich“. Mystisch, dunkel-romantisch, melancholisch, höchst geniale Lyrik, wunderschöne Melodien.

„The World Is Quiet“. Welch bittere Ironie. Wenn sie es doch nur wäre. Sie schweigt ja, aber an der falschen Stelle. Sticht definitiv raus, denn Florian wird etwas deutlicher und Dark Rock prescht den Track voran. Zumindest im Refrain, der Rest ist eher melancholisch-anklagender Electro.

Mit dem Herz- und Titelstück des Albums, „Love Ends“, endet nicht nur die Liebe, sondern auch die CD. Aber mit einem Knall! Faszinierender, fantastischer Abgang! Und so herrlich gruftig! Weiter so!


Fazit: Dieses Werk ist nix für zartbesaitete Weichspülermusik-Fans, hier muss man zuhören, die Musik wirken lassen. Musik und Text arbeiten perfekt zusammen und kreieren das bisher „derbste“ Album der Düsseldorfer. Auch neue Elemente fließen in´s Soundbild und malen ein perfektes Bild der Neuzeit. Nicht immer gelingt es gut, aber das macht erst mal nix. Wenn man es weiß, kann man weiter dran arbeiten.

2. November 2017 von Riccardo Oldenburg